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 Betreff des Beitrags: Caledonia
BeitragVerfasst: 28.10.2007 - 11:16 
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Ich landete in einem Nadelwald. Um mich herum waren nur das Zwitschern der Vögel, das Rascheln von Tieren im Gebüsch und mein eigener Atem. Ich schloss einen Moment die Augen und atmete den süßen Duft des Baumharzes und der Nadeln genussvoll ein. Dann öffnete ich die Augen wieder und ging los. Auf meinem Weg durch den Wald sah ich eine Menge Tiere. Die Ähnlichkeit mit Tieren von der Erde war ziemlich stark.
Warum das Fremde suchen, wenn das Bekannte viel besser ist? fragte ich mich nachdenklich.

Einige Zeit später erreichte ich eine weite Wiesenlandschaft mit einigen kleineren und einem größeren See.
Der Anblick von sich wiegendem Schilfgras, Wasservögeln und Trauerweiden war so schmerzvoll bekannt und schön, dass meine Augen feucht wurden. Ich atmete wieder tief durch. Schon im Wald hatte ich ein tiefes Wohlbefinden gespürt und dies hatte sich nun noch mehr verstärkt. Am Horizont konnte ich die Silhouette eines weitläufigen Gebirges sehen.

Ich wanderte weiter und machte eine kleine Mittagspause an einem der Seen. Die Idylle war ungetrübt, die Friedlichkeit ließ auch mein in letzter Zeit so unruhiges Gemüt zur Ruhe kommen. Später wanderte ich weiter, bis es dämmerte und schlug dann mein Zelt auf. Tage und Nächte hatten angenehme Temperaturen gehabt.
Die Wanderung ging noch mehrere Tage weiter. An zwei Tagen regnete es ziemlich stark, weshalb ich pausieren und in meinem Zelt warten musste.

Die Welt war ziemlich groß und es dauerte eine Weile sie zu durchwandern. Ich sah viele schöne und interessante Dinge und war fast etwas enttäuscht bisher noch keine Spur von Menschen gefunden zu haben. Ich hatte allerdings noch nicht den östlichen Teil der Insel aufgesucht. Ich rechnete im Prinzip fest damit Menschen zu treffen, denn diese Welt hatte wirklich alles was man brauchte. Ich hatte bereits selbst Früchte und nutzbare Kräuter gefunden und gegessen oder verwendet.

Daher war es eigentlich keine große Überraschung das Dorf im weitläufigen Wiesengebiet im Osten zu sehen.
Kleine Fachwerkhäuser standen dort zusammen, Menschen in einfacher Kleidung gingen ihren Tätigkeiten nach. Ich lächelte leicht und ging zu dem Dorf. Kaum hatten mich die ersten Leute erblickt, war ich von einigen ziemlich kräftigen Männern umgeben, die mich alle nicht besonders freundlich anschauten. Ich blieb stehen und versuchte einen möglichst freundlichen und ungefährlichen Eindruck zu machen.

„Ähm…Hallo“, sagte ich auf D’ni. Die Männer sahen mich nur weiter böse an. Ich versuchte es noch mal mit der Erdensprache, mit welcher ich aufgewachsen war. Einer von ihnen sah mich misstrauisch an und fragte: „Wer bist du? Kommst du von den Ariki?“ „Wer sind die Ariki?“, fragte ich. „Ich stelle hier die Fragen! Antworte!“
„Mein Name ist Hitana und ich komme nicht von den Ariki. Wer sind die?“ Der Mann überging meine Frage und stellte dagegen wieder eine Frage in seinem scharfen Ton:

„Wenn du nicht von den Ariki kommst, woher kommst du dann?“ Ich seufzte und meinte: „Das ist eine ziemlich lange und komplizierte Geschichte. Könnte ich vielleicht mit dem Dorfherren oder so darüber reden?“

„Du stehst vor ihm!“, antwortete der unfreundliche Mann. „Also gut. Ich bin eine Reisende aus D’ni. Ich bin hierher gekommen nachdem ich das Buch zu eurer Welt geschrieben habe. Ich habe auch ein Buch zurück zu meiner Heimat, meinem Relto dabei. Ihr könnt es euch ansehen und wenn ihr irgendwelche Fragen habt, werde ich sehen ob ich sie beantworten kann und darf. Wäre es bis dahin möglich, dass wir uns hinsetzen und diese anderen Herren hier gehen?“

Der Dorfherr sah mich lange an und nickte dann. Er machte eine Handbewegung und die anderen Männer verschwanden. Dann machte er eine Bewegung zu mir, mit der er mich aufforderte ihm zu folgen. Er führte mich zu seinem Haus, dass nicht anders als die Häuser der anderen aussah. Dank der großen Fenster war das Haus recht hell und wirkte nett eingerichtet. Aus einem Raum, der wohl die Küche sein musste, hörte man das Klappern eines Messers. Als wir den Wohnraum betraten, schaute eine freundlich aussehende Frau aus der Küche hervor und fragte: „Haben wir einen Gast, Ebenai?“ Dieser brummelte nur etwas und deutete dann auf eine Sitzecke.

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BeitragVerfasst: 04.11.2007 - 09:07 
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Ich setzte mich hin und schaute den Dorfherren Ebenai erwartungsvoll an. Er sah mich immer noch ziemlich misstrauisch an und sagte dann: „Also gut, Hitana dann erklärt mir mal wie dieses „Weltenschreiben“ funktionieren soll!“ „Dazu kann ich euch nicht alle Details erklären Ebenai. Es ist den Mitgliedern meiner Zunft untersagt über solche Dinge zu sprechen. Alles was ich sagen kann ist, dass man eine Welt mit bestimmten Wörtern beschreibt und damit eine Verbindung herstellt. Es ist ein schwieriges Handwerk und nicht immer von Erfolg gekrönt.“

„Was hält mich denn davon ab euch zu zwingen es mir zu sagen?!“, fragte Ebenai herausfordernd.

„Ich finde sie hat völlig Recht. Ich verrate ja auch nicht jedem mein Rezept für Latsiakuchen!“, mischte sich plötzlich Ebenais Frau ein.

Ich wiegte leicht den Kopf und meinte: „Das kommt der Sache relativ nahe.“ Dankbar lächelte ich sie an, weil sie für mich Partei ergriffen hatte.

Ebenai hingegen funkelte seine Frau wütend an und fragte: „Habe ich dir erlaubt dich einzumischen, Weib?!“

„Nein, aber du hast es mir auch nicht verboten!“, erwiderte sie und ich konnte mir kaum das breite Grinsen verkneifen, als ich nun Ebenais Gesicht sah. Er mochte der Herr dieses Dorfes sein, aber in diesem Haus war seine Frau die Herrin! Er wandte sich wieder mir zu und fragte: „Und was könnt ihr mir über dieses „D’ni“ erzählen?“

„Es ist eine Stadt in einer Höhle unter der Erde. Dort lebte einst eine hoch entwickelte Zivilisation, die leider einer Katastrophe zum Opfer fiel. Und heute leben und arbeiten dort tausende von Forschern und Wissenschaftlern, zu denen auch ich gehöre. Genügt euch das fürs Erste? Kann ich dann vielleicht auch ein paar Fragen stellen?“

„Nun ja, ich schätze ich werde euch erstmal vertrauen müssen. Was ihr erzählt habt klingt alles sehr mythisch und unwahrscheinlich. Vielleicht seid ihr auch eine sehr gute Lügnerin. Ich werde euch beobachten. Doch nun stellt eure Fragen!“

„Wer sind die Aziki?“

„Bösartige, grausame Seeräuber! Sie kommen immer wieder hier vorbei und stehlen und wichtige Vorräte und Schmuck. Sie brandschatzen und zerstören gerne und haben auch schon öfter unsere Frauen vergewaltigt. Nach einer Weile verschwinden sie wieder.“

„Könnt ihr euch nicht gegen sie wehren?“

„Das haben wir versucht! Sie sind zu stark und inzwischen haben wir uns auch damit abgefunden. Sie kommen meist zu derselben Zeit und daher können wir uns auf ihren Angriff vorbereiten. Unsere Diplomaten versuchen immer mit ihnen zu verhandeln, bisher aber ohne Erfolg.“

„Ich verstehe. Nun mit eurer Erlaubnis würde ich mich gerne im Dorf umsehen und auch eine Weile hier leben. Vielleicht kann ich euch sogar helfen gegen die Aziki vorzugehen.“

„Eine Frau soll uns beim Kampf gegen diese Barbaren unterstützen?! Ha, eher scheint morgen eine grüne Sonne, als das dies passiert!“

„Ich bin zwar eine Frau, aber ich habe Erfahrungen im Kämpfen und Verhandeln. Glaubt mir Ebenai, in mir steckt mehr als man mir ansieht!“

„Nun gut, sei es wie es ist! Ihr habt meine Erlaubnis euch umzusehen und könnt unser Gästezimmer haben, so lange ihr bleiben wollt. Meine Frau scheint ja bereits mit euch zu sympathisieren und auch ich habe nichts dagegen!“

„Vielen Dank, Ebenai das weiß ich wirklich sehr zu schätzen! Ich werde dann mal gleich anfangen mich umzusehen!“

„Nein, nein Kind, erst musst du etwas essen! Du hast sicher eine lange Reise hinter dir!“, meinte Ebenais Frau und verschwand sofort wieder in der Küche. Wenig später stand eine Schale dampfender Suppe und ein Korb voll frischem Brot auf dem Tisch und ich langte auch ordentlich zu.

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BeitragVerfasst: 09.11.2007 - 10:13 
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Nach dem köstlichen Essen ging ich hinaus und schaute mich etwas um. Das Dorf stellte sich doch als etwas größer heraus, als ich gedacht hatte. Es hatte alle Betriebe, die es brauchte um die Leute gut mit dem Wichtigsten zu versorgen und am Rande des Dorfes entdeckte ich die weiten Felder und Plantagen. Auch die meisten Feldfrüchte ähnelten Dingen die ich von der Erde kannte. Die Menschen betrachteten mich aufmerksam, aber weniger feindselig als zu Anfang. Diejenigen welche ich ansprach, beantworteten meine Fragen ausführlich und freundlich.

Dennoch lag über dem Dorf eine leicht angespannte Stimmung und an manchen Stellen konnte ich die Reste von verkohlten Hütten ausmachen. Das war wohl das Werk der Aziki gewesen. Als ich wieder zu Ebenai zurückkehrte, fragte ich: „Werden die Aziki bald kommen?“ Ebenai sah mich grimmig an und nickte.
„Es ist bald wieder soweit. Sie brauchen Vorräte für den Winter.“

„Wie laufen ihre Angriffe ab? Gibt es ein bestimmtes Schema?“

„Sie kommen abends; knallen mit ihren Kanonen und Pistolen; stürmen unter lautem Geschrei in das Dorf und nehmen sich was sie haben wollen. Dann verschwinden sie wieder.“

„Wie lange ist es noch bis zum nächsten Mal?“

„Etwa zwei Monate. Glaubt ihr tatsächlich, ihr könntet etwas gegen sie ausrichten?“

„Ich werde darüber nachdenken müssen. Die Tatsache, dass sie so effektive Waffen haben macht es nicht gerade einfacher und ihre Grausamkeit ist sicher auch nicht zu unterschätzen. Vielleicht wird euch mein Wissen etwas nützen. Ich werde sehen, was in dieser kurzen Zeit machbar ist. Mehr kann ich euch im Moment nicht versprechen!“

„Danke, dass ihr es wenigstens versucht! Fühlt euch frei alles zu machen, was ihr machen müsst.“

Und so setzte ich mich an den Tisch und versuchte verschiedene Dinge auszuarbeiten. In den darauf folgenden Tagen suchte ich die Waffenschmiede auf und redete auch mit den Diplomaten darüber, was sie bisher versucht hatten. Ihr ältester Sohn Tarius sollte in diesem Jahr zum ersten Mal die Verhandlungen alleine fühlen. Er war etwas älter als ich und schien ganz kompetent zu sein. Dennoch war ich der Meinung, dass sich mit Diplomatie nicht viel gegen Piraten ausrichten lassen konnte.

In der nächsten Zeit arbeitete ich also verstärkt mit dem Schmied zusammen und ließ ihn so viele Waffen wie möglich anfertigen. Dann brachte ich die Männer des Dorfes dazu ihre Kampfkünste zu verbessern. Obwohl ich viel Druck machte und die Leute auch gut arbeiteten, hatte ich in den Tagen vor dem Angriff der Aziki nicht den Eindruck viel geschafft zu haben. Die meisten waren einfach zu passiv geworden, um sich noch wehren zu wollen.

Dann war der Tag gekommen. Die angespannte Stimmung hatte sich in eine äußerst bedrückte gewandelt.
Das warten auf den Abend machte mich fast wahnsinnig, so aufgeregt war ich. Ich hatte ja keine Ahnung wie schlimm der Angriff der Aziki werden würde. Als wir den ersten Kanonendonner hörten, zuckten wir alle zusammen. Die Frauen und Kinder saßen in den Häusern, die Männer standen draußen auf den Straßen und warteten auf die Seeräuber.

Das Knallen der Pistolen schien näher zu kommen. Dazu gesellte sich nun auch raues Gelächter. Es hatte schon irgendwie etwas Unheimliches an sich, nur das aufblitzende Licht beim Abschuss der Kugeln zu sehen und die Geräusche zu hören. Die Sicht wurde auch durch aufkommenden Nebel erschwert und es herrschte eine klamme Kälte.

Dann hörten wir raues Gebrüll und innerhalb weniger Sekunden waren bärtige, ungewaschene grausige Männer um uns und griffen uns an. Im flackernden Licht ihrer Fackeln konnte man die bösartigen Gesichter erkennen. Die Männer des Dorfes taten ihr bestes sich und ihren Besitz zu verteidigen und auch ich versuchte die Piraten irgendwie wieder zurückzudrängen.

Schnell wurde aber klar, dass wir keine Chance hatten. Die Männer gaben sich vermehrt geschlagen und flüchteten zu ihren Familien. Nur ein paar wenige versuchten sich noch zu wehren. Ich rief ihnen aufmunternde Worte zu, doch nichts schien mehr zu nützen. Dann plötzlich fühlte ich wie sich ein kräftiger Arm um meine Taille schloss und ich auf eine Schulter gehoben wurde. Ich kreischte entsetzt auf und versuchte mich zu wehren, doch ich hatte keine Chance.

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BeitragVerfasst: 14.11.2007 - 09:23 
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Dann wurde ich in eine Hütte geschleppt, welche die Piraten offenbar für sich erobert hatten. Unsanft wurde ich abgeworfen. Ich sah mich verblüfft um und fragte mich, warum die Piraten mich gefangen genommen hatten. Dann hörte ich eine raue Stimme von draußen etwas rufen. „Wir haben eure kleine kriegerische Anführerin hier. Es war ziemlich dumm von euch zu versuchen sich zu wehren. Wenn ihr sie heil wieder haben wollt, solltet ihr besser unseren Forderungen nachkommen!“

Ich schloss die Augen und verfluchte mich selbst. Jetzt war ich ihre Geisel und sie konnten mit mir machen was sie wollten! Jetzt lag alles an Tarius. Ich sah die Männer um mich herum ängstlich an. Sie grinsten alle mit ihren schwarzen, verfaulten Zähnen und leckten sich anzüglich über die Lippen. „Wer nimmt sich das Schätzchen zuerst vor?“, fragte einer von ihnen in die Runde. Mehrere „Ich!“ kamen von den anderen. „Wie wärs’ denn mit mehreren auf einmal, hmm?“, fragte einer mich direkt ins Gesicht und lachte dann. „Argh, das würde ihr sicher gefallen. Scheint mir eine kleine Wilde zu sein!“, rief ein anderer, worauf der Rest mit schallendem, bösartigem Gelächter antwortete.

„Wenn hier einer mit ihr anfängt, dann ich!“, knurrte der Pirat der vorher draußen gewesen war, um den Dorfbewohnern zu verkünden, dass ich jetzt eine Geisel war. Er schien der Anführer der Bande zu sein.
Er stapfte auf mich zu und riss mich grob hoch. Dann sah er mich von oben bis unten grinsend an und sagte fast seufzend: „Aaah, so jung und frisch! Das hab ich gern!“

„Lass uns wenigstens zusehen, Rhavin!“, rief einer. Dieser grinste in die Runde und riss mein Hemd auf. Dann machte er sich über mich her. Ich versuchte mich zu wehren, doch das stellte sich als keine gute Idee heraus. Er war viel stärker als ich und als ihm der Geduldsfaden riss, gab er mir eine so heftige Ohrfeige, dass ich zu Boden fiel und für eine kurze Zeit Sterne sah.

Auch der Rest der Nacht versank in einer grausamen, schmerzhaften Dunkelheit. Am nächsten Morgen fand ich mich mit zerrissener Kleidung, einer Menge blauer Flecken und furchtbarer Schmerzen in einer Ecke liegend. Die meisten Piraten lagen ebenfalls auf dem Boden und schienen ihren Alkoholrausch auszuschlafen. Einige saßen aber in meiner Nähe und bewachten mich. Rhavin schien draußen zu sein und ich hoffte inständig, dass die Verhandlungen um meine Freilassung bereits angefangen hatten. Lange konnte ich es hier nicht aushalten!

Einen endlosen Tag und eine weitere furchtbare Nacht musste ich aber noch warten, ehe Rhavin mich hochriss und nach draußen schleppte. Nach dem Halbdunkel in der Hütte war die Helligkeit draußen so blendend, dass ich schmerzhaft die Augen schloss. Rhavin schleuderte mich unsanft in Richtung von Tarius, der mich sanft auffing. Dann verschwanden die Piraten wieder mit einem riesigen Beuteschatz im Gepäck.

Ich stöhnte leise auf und versank in einer erschöpften Ohnmacht. Eine Weile spürte ich nichts, dann wachte ich in einem weichen Bett wieder auf und fühlte ein kühles Tuch auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und sah verwundert in Tarius Gesicht. Langsam richtete ich mich auf und sah ihn immer noch leicht überrascht an. Ich hatte nicht erwartet, dass ausgerechnet er mich pflegen würde.

Zum ersten Mal betrachtete ich ihn eingehender. Er hatte hellblonde Haare und blassblaue Augen. Sein Gesicht war von einem gewissen Ernst gezeichnet, aber nicht unattraktiv. Er war schlank und vermutlich auch etwas größer als ich. Er sah mich leicht besorgt an und fragte: „Geht es wieder?“ Ich nickte und fragte dann: „Wie viel haben sie verlangt?“

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BeitragVerfasst: 21.11.2007 - 13:11 
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„Mach dir darum keine Sorgen, Hitana! Du bist uns nichts schuldig.“

„Wie viel?“, fragte ich noch einmal mit Nachdruck.

„Dreiviertel der letzten Ernte und sämtliche Wertgegenstände, die wir hatten.“

„Ich kann euch das nicht zurückgeben Tarius, aber ich weiß was ich machen kann und werde: Ich werde mich an den Aziki dafür rächen!“

„Hitana, ich verstehe deinen Hass aber deine Strategie ist schon einmal nicht aufgegangen. Du wirst es auch beim nächsten Mal nicht mit Waffengewalt schaffen!“

„Nein, du hast überhaupt keine Ahnung was ich durchgemacht habe!!! Gegen diese Mistkerle hilft keine Diplomatie! Bis zum nächsten Mal habe ich genug Zeit alles vorzubereiten. Dann werden wir die Aziki für immer in die Flucht schlagen!“

„Ich weiß sehr wohl was passiert ist. Ich musste die Heilerin rufen, damit sie dir einen Trank einflößt der verhindert, dass ein Bastard in dir heranwächst! Glaub mir Hitana, das ist schon anderen aus unserem Dorf vor dir passiert. Einige von ihnen waren sogar noch Jungfrauen! Was die andere Sache betrifft: Die Aziki sind grausam, aber Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten macht einfach keinen Sinn!“

„Aber wie stellst du dir vor, sollen wir mit Diplomatie etwas erreichen?!“

„Vielleicht können wir einen Weg zwischen Diplomatie und Kampf finden…Die Aziki sind nicht dumm. Sie wissen, dass ihr Leben von unseren Abgaben an sie abhängt und auch sie haben immer wieder Dinge hier zurückgelassen, die wir gebrauchen konnten. Wenn wir eine Waffe hätten, die so effektiv ist dass sie die Aziki so sehr erschreckt, dass sie sich bereit erklären ihre kämpferischen Handlungen einzustellen und stattdessen einfach immer vorbeikommen und sich ihre Vorräte abholen, dann haben wir eine Lösung gefunden mit der wir leben können.“

„Dann wären sie auch nicht mehr in der Lage mehr zu fordern, als ihr ihnen geben könntet. Das klingt einigermaßen machbar…Ich werde mal überlegen was für eine von den Waffen, die ich kenne die Aziki so sehr erschrecken könnte. Danke, dass du mich da herausgeholt und gepflegt hast, Tarius!“ Er lächelte leicht und schüttelte den Kopf. „Ich habe nur meinen Job gemacht!“

Was er sagte klang sehr bescheiden, aber irgendwie fand ich dass aus seinen Augen noch etwas anderes sprach. Jetzt hatte ich aber keine Zeit mich weiter darum zu kümmern. Ich wollte sofort anfangen Pläne zu machen! Bei Ebenai setzte ich mich sofort wieder an den Tisch und fing an. In der nächsten Zeit suchte Tarius mich öfter auf, um mit mir über seine diplomatischen Vorschläge an die Aziki zu sprechen.

Ich hatte irgendwie das seltsame Gefühl, als ob er gerne in meiner Nähe war, machte mir aber nichts weiter daraus. Die Zeit mit ihm war angenehm und fast beiläufig erfuhren wir mehr von einander. Tarius war erstaunlich besonnen für sein Alter und schien wirklich perfekt in seinen Beruf zu passen. Wenn er mal nicht gerade Diplomat war, konnte er sehr locker und witzig werden. Er war stets charmant und nie aufdringlich, aber ich spürte das er mehr in mir sah, als mir im Moment lieb war.

Entgegen der Wünsche und Gefühle, die mich während des Schreibens von Osayi gequält hatten, war ich gerade nicht besonders erpicht darauf eine Beziehung einzugehen. Ich sah Tarius lieber als einen guten Freund und genoss die Zeit, welche ich mit ihm verbrachte ohne mir weitere Gedanken zu machen. Unsere Arbeit ging gut voran und wir waren relativ sicher, dass wir zum nächsten Erscheinen der Aziki im Frühling mit allem fertig sein konnten.

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Schließlich war der Tag gekommen und alles war vorbereitet. Als wir am Abend die Kanonen der Aziki hörten, feuerten wir einen Schuss aus unserer eigenen, riesigen Kanone in Richtung des Schiffs ab. Die ersten Schüsse schienen nicht zu treffen, doch dann hörten wir ein lautes Splittern und raues Gebrüll. Nicht weit von der Küste entfernt konnten wir auf dem Schiff jetzt Schemen sehen, die hin und her rannten und versuchten die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Wir hatten die Aziki empfindlich getroffen!

Dennoch wollten sie wenigstens auf Beutezug gehen und ließen daher die Beiboote zu Wasser. Als sie landeten, feuerten wir noch mal einen Schuss ab und die Kugel schlug gerade mal 5 Meter von Rhavins Boot entfernt ins Wasser. Die Piraten wirkten beunruhigt und unsicher und hatten eindeutig etwas von ihrer Grausamkeit eingebüßt. Als sie sich uns näherten, richteten wir die Kanone direkt auf sie und ich rief: „Wir werden von der Waffe Gebrauch machen, wenn ihr nicht mit uns verhandelt!“

Eine Weile schienen die Piraten zu zögern, doch dann hob Rhavin die Hände und rief: „Also gut. Ich komme mit euch in die Ratshütte!“ Tarius und ich führten Rhavin dort hin, ließen aber andere Männer an der Kanone zurück, welche die restlichen Piraten im Auge behielten. In der Hütte setzten wir uns hin und begannen.

„Was verlangt ihr?“, fragte Rhavin widerstrebend. Er war es nicht gewohnt, nicht die Machtposition zu beherrschen.

„Sämtliche kämpferische Handlungen der Aziki werden eingestellt. Kein Brandschatzen, kein Kämpfen, keine Vergewaltigungen.“

„In Ordnung…“

„Des Weiteren werden wir darüber bestimmen, wie viel ihr von unseren Vorräten bekommt. Schmuck wird es keinen mehr geben. Euer Leben hängt von uns ab und wir können es mit einem Schuss auf euer Schiff beenden!“, sagte ich.

„Wir sind aber der Meinung, dass wir von einander profitieren können. Ihr bekommt von uns Vorräte und gebt uns etwas von dem was ihr so auf euren Reisen über die Meere auftreiben konntet als Bezahlung. Wir werden handeln, nicht kämpfen. Habt ihr irgendwelche Einwände?“, fragte Tarius.

Rhavin schüttelte leicht zerknirscht den Kopf. „Gut, dann unterschreibt bitte diesen Handelsvertrag. Er bindet euch an die soeben gemachten Vereinbarungen. Solltet ihr diese missachten, werden wir von der Kanone Gebrauch machen müssen. Noch Fragen?“

„Wir haben nicht viel Beutegut dabei. Wie viel bekommen wir dafür?“, fragte Rhavin immer noch sehr zerknirscht.

„Darüber werden wir diskutieren, sobald sich unsere Händler die Sachen angesehen haben. Ihr könnt jetzt zu eurem Schiff zurückkehren und das Beutegut im Hafen zur Schau stellen!“ Damit waren die Verhandlungen abgeschlossen. Rhavin verließ das Ratshaus geknickt und befahl seiner Bande das Beutegut auszuladen. Am nächsten Tag zogen die Piraten davon, im Lagerraum wesentlich weniger Naturalien als sonst. Glücklich feierten wir an diesem Abend ein Fest.

Tarius und ich wurden natürlich besonders gefeiert. Es gab Unmengen von köstlichem Essen und der Alkohol floss in Strömen. Ich war froh in gewisser Weise ein Mitglied dieser Gemeinschaft geworden zu sein und genoss den Abend sehr. Vor allem mit Tarius hatte ich sehr viel Spaß. Als er ich spät in der Nacht zu Ebenais Haus begleitete, waren wir beide schon etwas angetrunken. Vor der Tür blieben wir stehen und schauten uns eine Weile einfach nur an.

Ich sah einen Blick in seinen Augen, der mich zuerst verwunderte. Doch als ich erkannt hatte was es war, flog ihm mein Herz zu. Er lächelte mich verlegen an und sagte: „Naja, dann mal gute Nacht Hitana.“ Unschlüssig trat er von einem Fuß auf den anderen, offenbar nicht ganz sicher, ob er noch etwas tun wollte. Ich lächelte ihn aufmunternd an, doch als er sich schließlich vorbeugte, gab er mir nur einen ganz leichten Kuss auf die Wange und ging dann schnell davon.

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BeitragVerfasst: 05.12.2007 - 10:03 
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In dieser Nacht träumte ich von ihm. Am nächsten Tag wurde mir dann mit erschreckender Deutlichkeit bewusst, dass ich mich doch in ihn verliebt hatte! Es mochte noch nicht einmal viel mit dem gestrigen Abend zu tun haben. Ich vermutete, dass er mir schon länger so ging und ich es einfach nicht hatte wahrhaben wollen. Vielleicht hatte ich es sogar verdrängt. Das erschien mir jetzt seltsam. Ich hatte mich doch genau danach gesehnt und als es angefangen hatte, hatte ich es nicht mehr haben wollen!

Ich lauschte in mich hinein und befand, dass ich glücklich damit war. Tarius war genau das wonach ich so lange gesucht hatte! Ein Mann, der nicht immer so ernst war, sondern mein Leben erhellte und aufheiterte. Trotzdem war er auch klug und zuweilen sogar kreativ. Wie ganz zu Anfang, als ich Caledonia zum ersten Mal betreten hatte, stellte sich auch jetzt wieder ein Gefühl des Wohlbefindens ein. Es hatte sich angefühlt, als würde ich nach Hause kommen, nur das es ein Zuhause war, dass ich noch nicht gekannt hatte.

Jetzt jedoch kannte ich diese Welt und die Menschen hier. Letztendlich hatte ich gefunden was ich im Grunde schon immer gewollt hatte: Eine neue Familie, ein richtiges Zuhause! Ich eilte aus dem Haus zu Tarius, fiel ihm um den Hals, küsste ihn fast stürmisch und rief: „Ich liebe dich auch!“ Er grinste mich breit an und sagte: „Na, dann: Willst du mich heiraten?“

Ich wurde auf einen Schlag wieder ernst. Mit einem Mal wurde mir klar was es bedeuten würde hier zu bleiben, eine Familie zu gründen… Ich sah ihn etwas traurig an und flüsterte fast: „Noch nicht. Es gibt Dinge, dich noch geregelt werden müssen und ich bin einfach noch nicht so weit.“ Er nickte und sagte: „Das ist in Ordnung. Was macht dir denn besonders Sorgen?“

„Zum Beispiel die Frage wohin wir ziehen sollen. Ich weiß nicht, ob ich D’ni endgültig den Rücken zukehren kann.“

„Musst du das denn? Du kannst doch immer noch hin, wenn es sein muss. Außerdem: die Entscheidung überlasse ich dir! Du musst wissen, wo deine Prioritäten liegen. Ich bitte dich nur zu bedenken, dass dies hier meine Heimat ist und das ich hier Freunde und Familie habe.“

„Vielleicht lässt sich auch hier eine Zwischenlösung finden!“, meinte ich leicht augenzwinkernd.

Im Prinzip war ich mir schon kurz nach diesem Gespräch sicher gewesen, was ich tun wollte. Vielleicht war ich mir innerlich schon lange sicher gewesen, was ich in einem solchen Fall tun wollte. Zumindest wusste ich sofort was ich zu tun hatte. Ich beauftragte die Handwerker eine Hütte für Tarius und mich errichten zu lassen. Dann schrieb ich ein Verbindungsbuch in das Dorf, kehrte auf mein Relto zurück, brachte alle wichtigen Sachen nach Caledonia und kehrte dann nach D’ni zurück.

Dort sprach ich mit Meister Athelstan über fast alles was in der letzten Zeit geschehen war und erklärte ihm dann meinen Plan. Er war einverstanden und so konnten die Dinge ihren Lauf nehmen. Ich kehrte mit einem weiteren Verbindungsbuch nach Caledonia zurück. Tarius erwartete mich gespannt in der fertig gebauten Hütte und fragte kaum das ich angekommen war: „Kannst du mir jetzt vielleicht erklären, was du vorhast?“

Ich grinste und sagte: „Es gab zwei Dinge, die mir sehr wichtig waren, seitdem ich wusste dass wir zueinander gehören. Das eine ist, dass ich hier mit dir leben wollte und das andere ist, dass ich gerne die Kunst in D’ni unterrichten wollte. Tja, unser Haus steht und ich werde jetzt dreimal die Woche jeweils für die Schulstunden nach D’ni linken und danach gleich wieder zurückkommen. Also von mir aus können wir bald heiraten!“

Und so wurde aus mir, Hitana der ruhelosen Schreiberin von Welten, Hitana die geduldige Lehrerin und gute Ehefrau. Endlich hatte ich meinen inneren Frieden gefunden und war nun endlos glücklich und zufrieden!

Ende der eigenen Geschichten

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