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 Betreff des Beitrags: Osayi
BeitragVerfasst: 07.10.2007 - 12:02 
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Ich nahm mir einige Wochen Zeit, ehe ich mit der Arbeit an meinem nächsten Zeitalter begann. Ich hatte mal wieder etwas Tropisches im Sinn. Nach meinen Abenteuern in Devagena und Eluria hatte ich zum ersten Mal nicht unbedingt das Verlangen danach auf Menschen zu treffen. Kaum eine meiner Welten war nicht bewohnt, was wohl daran lag dass es immer die Möglichkeit menschlichen Lebens gab. Vielleicht sollte ich mal so schreiben, dass es diese Möglichkeit nicht gab?

Welten wie Ra’Shae und Tugola hatten mich jedoch gelehrt, dass ich machen konnte was ich wollte. Irgendwie gab es trotz der widrigsten Umstände immer noch die Möglichkeit von menschlichem Leben! Natürlich war es interessant die unterschiedlichen Völker kennen zu lernen. Doch auch eine Welt wie Anaria war interessant gewesen, obwohl sie nicht bewohnt gewesen war!

Vielleicht war es ja so, dass ich mich innerlich nach der Anwesenheit von anderen Menschen sehnte und deswegen in fast jeder meiner Welten bewusst oder unbewusst die Möglichkeit eingebaut hatte, dass es menschliches Leben gab. Falls dem so wäre, ist es allerdings etwas seltsam, da ich doch genug Freunde in D’ni habe! Wonach sehne ich mich? Was verlange ich von den Menschen, die ich in einem Zeitalter anzutreffen hoffe?

Mit einem Mal erschienen mir meine ganze Existenz und der Sinn des Schreibens all dieser Welten nicht mehr klar! Ich fragte mich warum ich überhaupt mit dem Schreiben angefangen hatte. Was trieb mich an? Was fing ich mit all diesen Welten an? Suchte ich nach etwas…oder vielleicht sogar nach jemandem?

Ich dachte an Nehemiah, der sich als bösartiger, herrschsüchtiger Mensch herausgestellt hatte. War es das was ich suchte? Einen Mann mit dem ich leben konnte? Warum suchte ich dann nicht in D’ni? Konnten die Männer dort mir nicht das geben, was ich brauchte? Und überhaupt: Wie war ich plötzlich auf diese Gedanken gekommen!?

Ich schob sie erst einmal beiseite und begann mit der Arbeit am Buch Osayi. Es dauerte einige Wochen bis ich fertig war, da ich zwischendurch immer wieder nach D’ni musste, doch dann konnte ich endlich meine Sachen packen und dorthin reisen. Osayi war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: ein heißes, tropisches Paradies!

Der Sand auf dem ich stand, war fast schwarz. Am Meer häuften sich riesige, glänzende schwarze Felsen.
Im sanften Wind schaukelten die Palmen hin und her. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen, blauen Himmel und in der Luft lag der Duft von Wasser und exotischen Blumen. Das Wasser war angenehm warm und in Küstennähe sehr niedrig, so dass ich keine Probleme hatte zu den nebenan liegenden Inseln zu laufen. Zum Glück gab es auch keine gefährlichen Tiere in diesem Teil des Gewässers.

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BeitragVerfasst: 14.10.2007 - 19:08 
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Alles was ich im Wasser sah, waren Rochen mit mehreren fadenartigen Schwänzen, schillernde Fische und Wesen, die wie kleine Haie aussahen. Meine Anwesenheit schien sie nicht weiter zu stören – im Gegenteil, die Haie kamen sogar angeschwommen und streiften meine Hände, wie um meinen Geruch aufzunehmen. Ich war froh, dass eine leichte Brise wehte, denn es wurde langsam wärmer. Ich holte ein Tuch hervor, tauchte es in das Wasser und wickelte es mir dann um den Kopf, um etwas Abkühlung zu haben.

Nach einer Weile erreichte ich die nächste Insel. Am Strand fand ich einige Skelette und Gräten. Es schien also doch eine Art Raubtier in dem Meer zu geben, das aber wahrscheinlich in den tieferen Gewässern lebte. Ein Skelett war noch gut erhalten und es war schon beeindruckend sich auszumalen wie groß das Wesen einmal gewesen sein musste. Die Knochenstruktur war mir ziemlich fremd, nur der Rumpf des Wesens erinnerte an den eines Wals.

Ich machte eine Weile Rast und starrte hinaus auf das Meer während ich einen kleinen Imbiss zu mir nahm.
Es war fast wie Urlaub…Ich saß in der Sonne, genoss den Ausblick, lauschte dem Rauschen des Wassers und dem Kreischen der Vögel, spürte den warmen Sand unter meinen nackten Füßen. Für eine Weile vergaß ich die Dinge, über welche ich in den letzten Tagen nachgedacht hatte und ließ mich einfach treiben. Es war allerdings nicht so wie in Eluria.

Dann machte ich mich wieder auf den Weg und wanderte weiter, bis es dämmerte. Ich beobachtete den Sonnenuntergang vom Strand einer weiteren Insel aus. Es war ein atemberaubender Anblick. Mit keinen Worten konnte ich die Schönheit dieses Augenblicks beschreiben. Die Dunkelheit danach kam recht schnell. Eine Weile lag ich einfach nur da und schaute zu, wie die Sterne langsam erschienen. Es waren eine ganze Menge und ich konnte sogar ein paar Bilder in ihnen sehen. Doch wie so oft waren sie alle unbekannt und ich musste mich fragen, wo ich wohl sein mochte. Solche Gedanken ließen mir immer wieder klar werden, wie unendlich die Möglichkeiten waren.

Am nächsten Morgen ging die Wanderschaft weiter. Ich hatte mich nun schon ein ganzes Stück von dem Punkt entfernt, wo ich reingelinkt war, hatte aber nach wie vor keine Probleme auf andere Inseln zu kommen. Der ganze Inselkomplex schien sich auf einem riesigen Riff zu befinden, so dass es zwischen allen Inseln nur flaches Gewässer gab, das leicht durchwandert werden konnte. Nach einer Weile fing ich mich aber an zu fragen, ob es hier noch irgendetwas anderes gab als Inseln mit endlosen Stränden, riesigen Steinbrocken und seltsamen Meereswesen.

Ich erkundete gerade eine etwas größere Insel, die stärkere Vegetation als die anderen hatte, als ich plötzlich einen markerschütternden Schrei hörte. Ich blieb erschrocken stehen und sah mich ängstlich um. Dann sah ich einen dunkelhäutigen Mann aus dem Wald springen und wegrennen. Hinter ihm folgte ein weiterer Mann, der einen seltsamen Kopfschmuck trug. Dieser bestand aus dunkelroten Federn und kleinen Knochen. Der erste Mann sah ziemlich ängstlich und erschöpft aus und schien bereits verletzt zu sein, da er nicht besonders schnell war.

Starr blieb ich stehen und wartete ab. Die beiden beachteten mich zum Glück nicht. Dafür konnte ich Zeugin eines grausigen Schauspiels werden. Der Mann mit dem Kopfschmuck schoss einen Pfeil auf den Flüchtenden ab, welcher daraufhin zusammenbrach. Als der Mann mit dem Kopfschmuck bei ihm angekommen war, packte er den Mann an den Haaren, bog seinen Kopf nach hinten und schnitt ihm mit einem großen Messer die Kehle durch.

Ich wandte mich schockiert ab und sah zu, dass ich Abstand zu dem Mann gewann. Ich versteckte mich hinter einem der Felsen und beobachtete von dort aus das weitere Geschehen. Der Mann mit dem Kopfschmuck schulterte den Toten und schleppte ihn zurück in den Wald. Ohne es recht zu merken folgte ich ihm mit einigem Abstand. Die Grausamkeit dieser ganzen Szene erschreckte und faszinierte mich zugleich. Ich wollte wissen, was der Mann mit dem Kopfschmuck mit dem Toten vorhatte.

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BeitragVerfasst: 21.10.2007 - 16:47 
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Letztendlich stellte sich dies nicht unbedingt als die beste Idee heraus, die ich je gehabt hatte. Was ich aus dem Gebüsch des Waldes heraus beobachten konnte, überstieg sämtliche Scheußlichkeiten, die ich je gesehen hatte. Der Mann mit dem Kopfschmuck brachte den Toten in ein kleines Dorf mitten im Wald. Dort warteten bereits andere ebenso dunkelhäutige Männer. Der Mann mit dem Kopfschmuck legte den Toten auf einen Altar und schlitzte ihn dann auf. Das Blut ließ er in einen großen Trog laufen. Jeder der anderen Männer hatte eine kleine Schale in der Hand und nahm sich nun etwas von dem Blut.

Dann rief der Mann mit dem Kopfschmuck etwas und alle hoben ihre Schalen, antworteten und tranken das Blut. Danach machte sich der Häuptling (ich vermutete, dass er der Häuptling war) weiter über den Toten her, was schließlich darin endete, dass etwas von seinem Fleisch an einem Spieß briet und die anderen Männer es kaum erwarten konnten, dass es fertig war. Schüttelnd wandte ich mich endgültig ab und linkte wieder zurück in mein Relto.

Ich versuchte die schaurigen Bilder aus meinem Gedächtnis zu verbannen und lenkte mich mit dem Zeichnen einiger Konzepte ab. Seufzend dachte ich an das, was ich mir von Osayi erwartet hatte und entschloss das Buch zu verbrennen. Danach saß ich eine ganze Weile einfach nur nachdenklich da und starrte in die Gegend. Wieder trieb es mich zurück zu den Gedanken, die ich gehabt hatte bevor ich Osayi geschrieben hatte.
Die nächsten Tage wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich war ruhelos und doch gleichzeitig müde. Ich wusste nicht mehr weiter.

Ohne richtigen Elan begann ich einfach wieder zu arbeiten. Es hatte keinen Sinn Gedanken nachzuhängen die zu nichts führten und die einzige Möglichkeit mich davon abzulenken war die Arbeit. Zum ersten Mal seit ich Schreiberin war ging ich keinem bestimmten Konzept nach, sondern schrieb einfach. Die Regeln waren mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich gar nicht mehr daran denken musste. Aufgrund mehrerer plötzlich auftretender und länger andauernder Erschöpfungszustände dauerte es aber eine ganze Weile, bis ich den Eindruck hatte fertig zu sein.

Ich blätterte die Seiten des dicken Buchs durch und überflog sie. Teilweise konnte ich mich gar nicht mehr an bestimmte Sachen erinnern. Bei anderen wusste ich nicht mehr, wie ich auf solch eine Idee gekommen war.
An dem Konzept war nichts auszusetzen. Es war nicht einmal etwas großartig Besonderes daran. Ich hatte mich von dem inspirieren lassen, was ich am meisten schätzte: dunkle Nadelwälder, glitzernde Seen, weite Wiesen und Gebirge.

Das ganze erinnerte mich fast an Shoriva, meine erste Welt. Und vielleicht bewegte ich mich nach all den Experimenten und Erforschungen tatsächlich zurück zu meinen Wurzeln. Ich bereute dies nicht. Shoriva war eine schöne Welt gewesen, vielleicht eine der besten die ich je geschrieben hatte. Ich nannte die Welt „Caledonia“ und verband mich sofort dorthin, nachdem ich alles nötige eingepackt hatte.

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