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 Betreff des Beitrags: Hitanas Schreibwerkstatt
BeitragVerfasst: 05.10.2005 - 08:39 
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Einige von euch kennen ja schon meine "Eigene Inseln" Geschichten. Aufgrund der großen Begeisterung möchte ich nun ein Romanprojekt vorstellen, an dem ich gerade arbeite.
Hier folgt nun ein Auszug aus dem Roman "Im Namen des Herrn", einer historischen Geschichte über einen Ritter und Edelmann, der in den Kreuzzug zieht und die Schrecken des Krieges und der Gefangenschaft erleben muss.

Gefängnis von Akkon, Sommer 1191

...man hatte uns gesagt, dass die Türken Diener des Teufels waren und so war es auch. Nun befanden wir uns in den Tiefen einer Hölle, aus der es kein Entrinnen gab und wo die Teufel uns bis in alle Ewigkeit quälen konnten. Wir waren jedoch auch nicht gnädig gewesen und vielleicht war dies nun die gerechte Strafe. Man hatte uns einst gesagt, wir würden duch unseren Kampf für Gott in den Himmel kommen, doch nun waren wir in der Hölle. In solchen Situationen weiß ich nicht mehr, was ich noch glauben soll oder kann. Das was man uns erzählte und das was dann wirklich geschah waren zwei völlig gegensätzliche Dinge gewesen. So stecke ich nun in einem Gewissenskonflikt, der mich genauso verfolgen wird, wie meine Erinnerung, an die Dinge, die geschehen sind...

Bei Gefallen setze ich den Auszug fort.

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BeitragVerfasst: 05.10.2005 - 17:40 
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Na dann immer her damit !! Oder bin ich die einzige die das Will ??

Gruß Susi

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Die Geschichte geht weiter denn das letzte Wort wurde noch nicht geschrieben Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
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BeitragVerfasst: 05.10.2005 - 18:36 
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hallo Hitana

auch ich würde gerne weiter lesen.

Gruss Ayala


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BeitragVerfasst: 05.10.2005 - 18:38 
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:D Natürlich bist Du nicht die einzige, Susi...ich will auch lesen! Dafür bin ich immer zu haben, zumal diese Geschichte Spannung verspricht. 8)

Gruß Thora


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BeitragVerfasst: 06.10.2005 - 09:04 
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Okay, dann werd ich mal alles aufschreiben, was ich jetzt schon fertig habe und beizeiten auch fortsetzen. So könnt ihr sehen, wie die Geschichte wächst. Wundert euch aber nicht, wenn es mal brutal wird; ich schreibe die Dinge so wie sie wirklich waren.

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BeitragVerfasst: 10.10.2005 - 11:03 
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Okay hier ist der ganze Teil der Geschichte, den ich schon habe:

Im Namen des Herrn

Gefängnis von Akkon, Sommer 1191

Vollkommene Dunkelheit umgab mich. Ich fühlte mich wie in einem Nebel, nur war es nicht unangenehm für mich. Der Nebel war mir im Moment ein willkommener Freund, denn durch ihn konnte ich alles um mich herum vergessen. Ich fühlte mich wohl in dieser ruhigen Leere, wohin mich meine Schmerzen und Erinnerungen nicht verfolgen konnten.
Doch der Nebel war unbeständig und zu meinem Leidwesen begann er sich langsam aufzulösen und ich konnte ihn nicht daran hindern. Mit dem Auflösen des Nebels kamen auch die Empfindungen wieder. Ach, wie gerne hätte ich weiter im Nebel verweilt, um der Wirklichkeit zu entkommen! Doch dies war nicht möglich.
Das erste was ich spürte war der Schmerz, der von meinem Rücken ausging und den ganzen Körper zu durchziehen schien. Mein Rücken brannte wie Feuer und mir schien als spürte ich jeden der blutigen Striemen, die durch die Peitschenhiebe entstanden waren. Ich lag mit dem Bauch auf einem kalten, harten Steinboden und verfolgte verzweifelt, wie meine Empfindungen zurückkehrten.
Geräusche und Gerüche drangen an mich heran und sie alle waren grauenvoll. In der Luft hingen die Gerüche von Moder, Feuchtigkeit, Fäulnis, zu vielen Menschen auf zu engem Raum, von denen viele krank oder verletzt waren. Stark und säuerlich war der Angstschweiß der gepeinigten Seelen, die hier in der Hölle saßen und wussten das die Teufel kommen würden. Man würde uns wahrscheinlich alle hinrichten, denn die Heiden waren ein grausames Volk, das keine Gnade kannte. Man hatte uns gesagt, dass die Muslimen Diener des Teufels waren und so war es auch. Nun befanden wir uns in den Tiefen einer Hölle, aus der es kein Entrinnen gab und wo die Teufel uns bis in alle Ewigkeit quälen konnten. Wir waren jedoch auch nicht gnädig gewesen und vielleicht war dies nun die gerechte Strafe. Man hatte uns einst gesagt, wir würden durch unseren Kampf für Gott in den Himmel kommen, doch nun waren wir in der Hölle. In solchen Situationen weiß ich nicht mehr, was ich noch glauben soll oder kann. Das was man uns erzählte und das was dann wirklich geschah waren zwei völlig gegensätzliche Dinge gewesen. So stecke ich nun in einem Gewissenskonflikt, der mich genauso verfolgen wird wie meine Erinnerung.
Die furchtbaren Geräusche, die mal von fern, mal von nahem an mich drangen, rissen mich aus meinen Grübeleien. Stöhnen, Wimmern, Heulen, Jammern und Schreien, so schrecklich das einem das Blut in den Adern gefror und sich die Haare aufstellten. Es waren die Schreie von den armen Seelen, welche qualvoll gefoltert wurden. Ich konnte einigermaßen froh sein, dass man mich nur ausgepeitscht hatte; anderen war es schlimmer ergangen.
Mancher mag sich wohl fragen, wie ich mit solch einer Gleichmütigkeit von solch grausamen Dingen sprechen kann. Das kommt daher, dass ich weitaus schlimmere Dinge erlebt und wesentlich grausamere Taten vollbracht habe, so dass ich nun abgestumpft bin. Das geschieht unweigerlich mit jedem Soldaten, denn wenn man nicht abstumpft wird man verrückt.
Ich öffnete langsam und wiederstrebend die Augen und setzte mich vorsichtig auf. Das Licht im Kerker war dämmerig, denn die Fackeln waren nur spärlich verteilt und rußten stark. Der Kerker wirkte wie eine Höhle, weil die Wände grob gehauen waren und weil es stickig und ziemlich düster war. Er war außerdem viel zu eng für die vielen Menschen, die hier waren.
Das flackernde, unheimliche Licht der Fackeln und die gequälten Gesichter der Gefangenen verstärkten den Anschein, dass dies die Hölle war. Zum Glück war das Licht aber doch so schlecht, dass mir der Blick auf viele der anderen Gefangenen verwehrt blieb, was mir auch ganz recht war. Ich wusste schließlich, wie furchtbar die meisten aussahen und ich war froh, dass mir ihr Anblick erspart blieb. Einen Gefangen konnte ich jedoch ziemlich gut erkennen, weil er ganz in meiner Nähe saß. Er war ein junger Rekrut, vermutlich noch keine siebzehn Sommer alt. Er lehnte an der Wand, hatte die Knie angezogen und starrte völlig apathisch ins Leere. In seinem Gesicht waren noch immer Anzeichen des Schocks zu sehen, den er aufgrund der Dinge, welche er gesehen hatte, bekommen hatte. Ich wusste wie es ihm ging. Er fürchtete sich vor dem Schlaf, weil mit dem Schlaf die Träume von den Gräueltaten, die er erlebt hatte, wiederkehrten. Er versuchte so lange nicht zu schlafen, bis er es nicht mehr aushalten konnte und einfach umfiel.
Er war zu jung für den Krieg gewesen und noch dazu völlig unvorbereitet. Doch für solche Dinge gab es keine Vorbereitung. Man konnte sich soviel vorbereiten wie man wollte, am Ende würde es doch viel schlimmer sein, als man gedacht hatte. So war das nun einmal mit dem Krieg!
Der Junge sah nicht aus als ob er schwere äußere Verletzungen hatte, aber auch innere, seelische Schmerzen waren schlimm und mir schien als würden gerade diese ihn plagen. Er wird verrückt, dass sehe ich ihm an.
Wenn ich diesen Jungen ansehe, überkommt mich ein Schwall von Erinnerungen. In gewisser Weise finde ich mich in dem Jungen wieder. Ich war nicht viel älter als er, als ich auf den Kreuzzug ging. Wie naiv ich damals gewesen war! Ich ließ alles was mir wert und lieb war hinter mir, um mich in ein großes Abenteuer zu stürzen, wie ich damals dachte. Ich konnte so gut über die Empfindungen des Jungen reden, weil ihm sicher fast genau dasselbe geschehen war wie mir. Ich war durch den Krieg ein wahrer Mann geworden, eine Tatsache, die ich früher als ruhmreich gesehen habe, aber heute ist es anders.
Die Erinnerungen aus meiner Jugendzeit überrollen mich und ich kann sie nicht zurückhalten. Sie sind meist sehr schmerzvoll, aber ich muss mich ihnen stellen. Zumindest wird es mich eine Weile ablenken.

Das ist im Übrigen keine Kritik am Christentum, sondern an Kriegen im Namen von Religionen!

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BeitragVerfasst: 10.10.2005 - 16:24 
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Ich bin schon gespannt auf deine Fortsetztung........

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Ehe Du über andere Menschen urteilst, zieh Dir seine Schuhe an und lauf seinen Weg


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BeitragVerfasst: 14.10.2005 - 10:53 
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Hier ist das nächste Kapitel

Gareborne Castle, Weihnachten 1190

Ein eisig kalter, um die Türme der Burg heulender Wind ließ mich trotz der dicken Steinwände und dem warmen, pelzbesetzten Mantel frösteln. Ich wärmte meine Hände an dem Kaminfeuer und dachte über den Ablauf des heutigen Abends nach.
Der Graf von Colmouth und seine Familie waren zu unserem Weihnachtsessen eingeladen und würden uns nachher zur Mitternachtsmesse unserer kleinen Kirche begleiten. Meine Mutter hatte schon den ganzen Nachmittag über Lady Elena, die Tochter des Grafen gesprochen. Sie machte sich wohl Hoffnungen von einer Heirat und schwärmte in den höchsten Tönen von der Schönheit und wohlerzogenen Art Lady Elenas und den Vorzügen einer solchen Verbindung. Die Freundschaft zwischen den beiden Familien würde noch enger werden und ich hätte endlich eine Ehefrau.
Meine Mutter war etwas ungehalten gegenüber meiner Meinung, dass man ich erst dann eine Frau heiraten würde, wenn ich sie schon etwas kannte. Bei meinen siebzehn Sommern war eine Heirat ohnehin langsam überfällig. Dennoch hatte ich mich geweigert Lady Elena so bald wie möglich zu heiraten, sondern wollte sie erst näher kennen lernen. Mutter gab sich grimmig einverstanden und heute würde ich Lady Elena zum ersten Mal gegenübertreten.
Selbstverständlich waren mir allerhand Benimm- und Konversationsregeln beigebracht worden, aber aufgeregt war ich immer noch.
Während unsere in der Eingangshalle versammelte Familie auf die Ankunft unserer Gäste wartete, herrschte in der Küche rege Betriebsamkeit und die Bediensteten deckten eilig den Tisch. Dann war ein dumpfes Klopfen an der dicken Eichentür zu hören, die sogleich von einem Bediensteten geöffnet wurde. Meine Eltern erhoben sich von ihren Plätzen und wir schritten gemeinsam auf die Familie von Colmouth zu. Mein Vater begrüßte Graf William herzlich, gab Lady Mathilde einen Handkuss und verbeugte sich geziert vor Lady Elena. Dann kam meine Mutter an die Reihe und zum Schluss begrüßte ich die drei. Graf William war ein breit gebauter Mann mit gutmütigem Gesicht und den ersten grauen Haaren. Seine Frau Mathilde war trotz ihres fortgeschrittenen Alters eine gutaussehende Frau, die selbst durch ihre Reife und die leichten Falten immer noch recht jung wirkte. Bei Lady Elena sah man sofort, dass sie die Schönheit ihrer Mutter geerbt hatte. Sie hatte eine rosige Haut, braune Augen, wallendes, glattes, braunes Haar, das zum größten Teil unter einer Haube steckte und schöne, volle Lippen. Sie trug ein weinrotes Gewand unter ihrem Pelzmantel und lächelte mich schüchtern an. Mutter hatte wahrhaft nicht untertrieben! Sie war wirklich bezaubernd und doch wollte ich sie erst näher kennen lernen.
Ich bot ihr meinen Arm und geleitete sie zum Tisch, der inzwischen mit dem Festmahl gedeckt worden war. Wir setzten uns alle nieder und begannen nach dem Tischgebet, dass Elena wirklich schön aufsagte, mit dem Essen. Zuerst gab es Gemüsesuppe mit Fleischklößen, dann gefüllte Gans und zum Nachtisch kandierte Früchte. Dazu floss viel verdünnter Wein. Nach dem Essen setzten wir und an den Kamin und redeten. Elena wollte unbedingt die Burg sehen und bat sich umschauen zu dürfen. Ich bot mich als ihr Begleiter an, worauf sie dankend annahm. Wir gingen nach oben, wo die verschiedenen Räume waren. Verlegen ob der ungewohnten Gesellschaft schwiegen wir eine ganze Weile, bis ich meinen Mut zusammennahm und sagte: „Meine Mutter wünscht sich, dass ich Euch heirate. Wie steht es mit Eurer Mutter?“ Sie sah mich ernst an und sagte: „Sie hat etwas in dieser Richtung angesprochen, aber noch nicht direkt erklärt.“ „Ich habe nicht vor Euch sofort zu heiraten. Ich möchte erst einmal mehr über Euch erfahren, wenn Ihr es mir gestattet.“ Sie wirkte etwas erleichtert, als sie zustimmend nickte. Der erste Schritt war getan und ich atmete erleichtert auf.
Inzwischen hatten wir unseren Rundgang beendet und gingen zurück in die Halle, wo unsere Eltern über Politik, Wirtschaft und natürlich die Kreuzzüge redeten. Seitdem ich das erste Mal von den Kreuzzügen gehört hatte, war ich absolut fasziniert gewesen. Die ruhmreichen Ritter in den großen Schlachten waren die Helden meiner Jugend und auch ich wünschte mir eines Tages ebensolche Abenteuer erleben zu können. Ruhm und nicht Reichtum oder Wissen war das Ziel, nach welchem die Jugend zu streben hatte. Dies hatte mein Vater mich einst gelehrt, der selbst ein großer Ritter gewesen war, bis er aufgrund einer Beinverletzung, die ihn heute noch hinken ließ, nicht mehr in den Kampf ziehen konnte.
Es hieß, dass König Richard Löwenherz weitere Truppen brauchte, sobald er im heiligen Land angekommen war. Er würde sicher eine Nachricht schicken, dass weitere Ritter und waffentaugliche Männer mit dem Schiff an die Küste des heiligen Landes gebracht werden sollten. Es war nicht wirklich eine Einziehung in die Armee, sondern ein Aufruf seiner Pflicht nachzukommen und für Gott und Vaterland zu kämpfen.
Dann wurde es langsam Zeit sich auf den Weg zur Mitternachtsmesse zu machen. Wir hüllten uns in unsere warmen Mäntel und gingen dann zur Kirche. Die Weihnachtspredigt beschäftigte sich ebenfalls mit den Kreuzzügen und dauerte einige Stunden. Als wir wieder in die Burg zurückgekehrt waren, verabschiedeten wir uns von Familie von Colmouth und ich sagte Elena, dass ich ihr eine Nachricht senden würde. Dann gingen wir zu Bett und ich träumte davon, wie ich als edler Ritter gegen die grausamen Heiden kämpfte und nach meinem Sieg einen Kuss von Elena bekam.

Zwei Wochen später war der Alltag zurückgekehrt und heute waren meine Lektionen in Sachen Ritterlichkeit und Betragen des Edelmannes angesetzt. Meine Eltern bestanden darauf mir immer wieder die Regeln beizubringen, auf das ich sie nie vergaß. Zuerst kam der Zweikampf gegen unseren Waffenmeister Gilbert. Danach setzte ich mich hin, während meine Vater vor mir auf und abschritt und die Regeln abfragte. „Nenne mir die Gebote der Ritterlichkeit, Robert!“ „Religion, Krieg und Ruhm sind die drei Seelen eines vollkommenen christlichen Ritters.
Sei dem Herrn stets ergeben und sterbe für ihn, wenn es das Geschick so will. Strebe nicht nach Beute, sondern sorge für Ordnung und Gerechtigkeit, indem du Ketzer bekriegst und Arme, Witwen und Waisen verteidigst.
Brich niemals deinen Treueschwur und kämpfe mit großem Mut für dein Vaterland.“ Wie immer erinnerten mich diese Lektionen an meine Schwertgürte, durch die ich ein erwachsener Mann geworden war. Was war das doch für ein erhabener Moment gewesen!
Mein Vater nickte zufrieden und entließ mich. Ich ging auf mein Zimmer und schrieb einen kurzen Brief an Elena, in dem ich sie bat, mich in einer Woche besuchen zu dürfen, da ich gerne mit ihr ausreiten wollte. Ich gab den Brief an einen Boten ab und wartete auf eine Antwort.
Es dauerte einige Zeit bis ich eine Antwort von Elena bekam, aber ich konnte zufrieden sein, da sie mir vom Einverständnis ihrer Eltern berichtete und mit mir den Zeitpunkt des Treffens ausgemacht hatte.
Es war für die Jahreszeit ungewöhnlich warm, als wir uns an einem schönen Vormittag trafen und gemeinsam ausritten. Selbstverständlich hatte sie ihre Anstandsdame dabei, die genau darauf achten würde das wir uns keine Fehltritte leisteten; aber für solche Dinge waren wir viel zu schüchtern. Ich hatte mir in unserer Küche einige Leckereien geben lassen, die ich bei einer Rast auf dem Tisch einer leerstehenden Gaststube kredenzte. Wir ließen uns alles schmecken und nachdem wir gesättigt und ausgeruht waren, ritten wir weiter. Bis auf ein paar Höflichkeitsfloskeln hatten wir kein weiteres Wort gewechselt. Ich fand, dass es angebracht war einige Dinge zu fragen. Sonst würde ich Elena nie richtig kennen lernen. „Was tut Ihr gerne?“, fragte ich sie. Sie sah mich etwas überrascht an und sagte dann: „Ich reite gerne, mache Handarbeiten und lese viel.“ „Und was lest Ihr?“, fragte ich interessiert. „Hauptsächlich Balladen, wie das Alexanderlied und das Rolandslied, aber auch gerne Geschichten von Karl dem Großen und anderen großen Männern. „Das tut Ihr tatsächlich? Das ist ja wirklich sehr schön. Würdet Ihr mir einmal etwas vortragen?“ Sie errötete und lächelte leicht. Mein Interesse schien sie glücklich zu stimmen. Und so brachte sie zum nächsten Mal das Alexanderlied mit und trug etwas daraus hervor. Nicht nur die spannende Geschichte, sondern vor allem ihre zauberhafte Stimme und die Art wie sie die Geschichte vortrug, faszinierten mich. Zu jeder Begegnung brachte sie eine andere Geschichte mit und ich lauschte ihr völlig verzaubert. Manchmal redeten wir auch über die Geschichten oder die Kreuzzüge und ich konnte bald feststellen, dass Elena es nicht nur schätzte, das ich ebenso von den Heldensagen fasziniert war, sondern schien auch Gefallen an mir selbst zu finden. Mit der Zeit hatte sie ihre Scheu abgelegt und offener geredet und selbstbewusster gehandelt.
Ich fragte mich, ob ich es bald wagen konnte um ihre Hand anzuhalten, da ich zu dem Schluss gekommen war, dass sie tatsächlich die Richtige für mich war.
Es war inzwischen Mitte März und ich war seit einigen Tagen achtzehn Sommer alt und fand das nun ein guter Augenblick gekommen war. Und so wollte ich sie heute bei unserer Begegnung fragen.
„Schöne Elena, wir kennen uns nun schon seit einigen Monaten und ich denke du wirst mir zustimmen, wenn ich sage das wir eine Art Freundschaft zueinander aufgebaut haben und uns gut miteinander verstehen. Wir hatten genug Zeit um zu sehen, ob wir wirklich dem Wunsch unserer Eltern nachkommen können. Ich denke wir können es. Also, meine liebste Elena, möchtest du meine Frau werden?“ Sie sah mich erst überrascht, dann lächelnd an und zuletzt traten ihr Freudentränen in die Augen. „Ja!“, sagte sie und es klang wie ein Jauchzen. Ich lächelte sie glücklich an und dann kehrten wir zurück, um unsere Eltern zu bitten, die Heirat abzusegnen. Beide Elternpaare waren sehr glücklich und zufrieden. Zu Hause legte ich mich glücklich ins Bett, mit dem wunderbaren Gefühl des Verliebt seins und in der freudigen Erwartung auf die bald folgende Hochzeit und ein glückliches Leben mit Elena.
Doch alles sollte anders kommen...

Fortsetzung folgt...

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BeitragVerfasst: 24.06.2006 - 15:30 
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Die Geschichte "Im Namen des Herrn" wird erstmal noch nicht fortgesetzt. Muss das Ganze noch etwas mehr ausarbeiten!
Werde aber mal demnächst Auszüge aus anderen Projekten geben!

Gruß Hitana

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BeitragVerfasst: 09.09.2006 - 17:52 
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Ich hab mal ne Kurzgeschichte geschrieben. Hier ist sie:

Der Irrsinn des Planens

„Der Mensch macht Pläne, obwohl jeder Mensch weiß, dass nichts unplanmäßiger verläuft als das Leben. Gerade aus den unplanmäßig eintretenden Dingen kann das Beste erwachsen. Und doch scheint es so zu sein, dass das Leben und die Welt ohne Plan nicht bezwingbar sind. Alles ist zu kompliziert, als dass man die Bewältigung der Zukunft dem Zufall überlassen könnte.“

Sie öffnete ihre Augen exakt vier Minuten bevor sie aufstand, und das jeden Morgen. Es schien als hätte sich ihr Körper an die klaren Abläufe angepasst und handelte genauso wie sie es wollte.
Sie hatte sich für jeden Morgen einen genauen Plan zurecht gedacht, den sie stringent einhielt. Zuweilen, wenn sie kurz davor war einen Fehler zu machen, hielt sie inne, ermahnte sich kurz und machte so wie geplant weiter.

Da sie jeden Tag außer am Wochenende und an Feiertagen zur selben Zeit aufstehen musste, hatte sie auch jeden Tag denselben Ablauf einzuhalten. Sie stand auf, machte das Bett, nahm ihre Arbeitstasche von ihrem Platz neben dem Schreibtisch, ging ins Wohnzimmer, schaltete das Radio an, ging in die Küche, machte Kaffee und wärmte ein Croissant auf, füllte Wasser in eine Flasche, stellte diese kalt, aß und trank, ging ins Bad, putzte sich die Zähne und duschte, ging ins Schlafzimmer, zog die Sachen an, die sie am Abend zuvor bereits herausgelegt hatte, ging wieder ins Bad, schminkte sich, kämmte sich die Haare, öffnete – nun da sie gut aussah – die Jalousien, zog Schuhe und Jacke an, machte das Radio aus, holte das Wasser aus dem Kühlschrank, steckte es in die Tasche, machte die Tasche zu, nahm sie mit, öffnete und schloss die Tür ab und fuhr zur Arbeit.

Während dieser Zeit wurde ihr Plan durch die Unvorhersehbarkeit der Außenwelt durcheinander gebracht. Doch auch daran hatte sie sich gewöhnt, indem sie zum Einen an ihr sicheres Heim dachte und zum Anderen feste Dinge in ihren Arbeitsalltag eingeflochten hatte.
Wenn sie dann nach Hause kam, bereitete sie ihr Abendessen vor, schaute ihre üblichen Serien im Fernsehen und machte sich zu den unterschiedlichen Zeiten bettfertig. Sie packte ihre Sachen für den nächsten Tag, legte die Wäsche für morgen heraus, zog sich, ging ins Bad, putzte sich die Zähne, machte die Jalousien zu, legte sich ins Bett und las noch etwas, ehe sie sich zum Schlafen hinlegte.

In ihrem Heim fühlte sie sich immer am wohlsten. In diesem geschlossenen Raum bestimmte sie alleine über alles. Nur hier war es am besten möglich, Pläne zu machen und sie auch einzuhalten. Was in der Welt außerhalb geschah, war unvorhersehbar. Und genau deswegen hatte sie alles was planbar war geplant – manchmal schon Tage im Voraus. Es gab ihr Sicherheit und verhinderte, dass sie verwirrt durch Planlosigkeit durch das Leben raste.
Wenn dann doch etwas Unerwartetes geschah, war sie umso erschrockener und absolut unvorbereitet. Ihre Gedanken rasten dann durcheinander; sie versuchte Ordnung zu machen und sich schnell einen Plan zurechtzulegen.

In diesen Momenten wurde ihr die Sinnlosigkeit ihrer Marotte klar und doch konnte sie nicht damit aufhören. Für sie war es wichtig, dass alles was geordnet werden konnte, geordnet wurde und das alles was planbar war, geplant wurde!

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BeitragVerfasst: 10.09.2006 - 16:27 
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Diese Geschichte regt zum Nachdenken an, Hitana.

Das Leben, was wir alle jeder auf seine Weise, führen, ist letztlich die Summe von vielen unvorhergesehene Ereignissen und Wendungen. Hätten wir zu dem einen oder anderen Zeitpunkt anders gehandelt, wäre auch sicher das Resultat anders gewesen.

Ein Leben, welches nur aus festen Planungen besteht und keinen Raum für unvorhergesehene Ereignisse lässt oder wo der Gang über ungewöhnliche Wege von vorherein bewusst ausgeschlossen wird, bedeutet Stillstand und Erstarrung. Dabei sollte man bedenken, dass man auf unvorgesehene Ereignisse so gut wie keinen Einfluss hat.

Zumindest sollte man, um sich von festen Gewohnheiten nicht total beherrschen zu lassen, zumindest winzige Dinge bewusst ändern und somit den Weg für neue Gedanken freimachen.

Schön geschrieben :wink:

Gruß Thora


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BeitragVerfasst: 15.09.2006 - 15:52 
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Vielen Dank Thora und was für eine tolle Wortwahl von dir! Es werden noch weitere Kurzgeschichten folgen!

Gruß Hitana

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BeitragVerfasst: 23.09.2006 - 12:54 
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Perfektion ist Pflicht

„Erst das Chaos macht das Leben lebenswert und interessant!“

Sie erschrak ein wenig als sie auf die Uhr sah. Es war schon eine Stunde vergangen! Grübelnd betrachtete sie das Ergebnis ihrer Bemühungen.
Die Kerzenhalter, welche sie auf die linke und die rechte Ecke des Tisches gestellt hatte, standen immer noch nicht gleich. Oder kam ihr das nur so vor?
Eine Stunde hatte sie damit verbracht, dass die Kerzenhalter symmetrisch zueinander standen, aber das ganze Herumgeschiebe schien die Sache nur verschlimmert zu haben. Erschöpft und vor allem frustriert lehnte sie sich zurück und betrachtete das Zimmer.
Bei den gleich großen Bildern hatte sie sich nicht nur vergewissert, dass sie nicht schief hingen, sondern auch, dass sie in gleichem Abstand zueinander hingen. Dazu hatte sie extra einen Zollstock zu Hilfe genommen.

Sie ging ins Arbeitszimmer und überprüfte die Anordnung der Bücher im Regal. Sie waren nicht nur nach Thema, sondern alphabetisch und zudem auch nach Größe geordnet. Dann wandte sie sich wieder dem Wohnzimmer zu. Sie fegte penibel jedes Staubkorn von dem dunklen Couchtisch und sammelte alle hellen Teilchen von der Decke auf dem Sofa auf.
Dann änderte sie mal wieder die Ordnung ihrer CD´s und Filme, die ihr immer noch nicht so recht gefiel. Sie hatte stets beobachtet welche Anordnung die effektivste war und doch hatte sie noch keine perfekte gefunden. Die Neuanschaffungen warfen ihre Ordnung immer wieder aus dem Konzept.

Dann ging sie ins Schlafzimmer und ordnete ihren Kleiderschrank neu. Sie hatte schon viele Möglichkeiten ausprobiert und eine Mischung daraus gewählt:
Nach Größe, nach Farbe nach Art, nach Gebrauch (Bevorzugung/Vernachlässigung) und nach Saison.

Als sie mit allem fertig, überprüfte sie noch mal alles und ruhte sich dann aus. Hierbei fiel ihr auf, dass sie die Anspruchnahme auf all die Ordnung soviel Zeit gekostet hatte, die andere Leute für andere Dinge nutzen würden. Sie wusste, dass sie das auch tun könnte, wenn die Ordnung nicht so einen großen Stellenwert in ihrem Leben hätte. Sie konnte nicht im Chaos leben.

Für sie bedeutete Chaos Uneffektivität. Im Chaos fand man nichts, oder nie an der Stelle wo man es vermutete oder man brauchte Stunden um es zu finden. Hinzu kam, dass sie Perfektionistin war. Selbst die ordentlichste Ordnung war noch nicht ordentlich genug. Es musste perfekt sein!

Doch wozu diente es, außer dass es effektiv war und gut aussah? Überdeckte es möglicherweise ihre eigene Fehlbarkeit? Half es ihr zu vergessen, dass nichts wirklich perfekt sein konnte?
Sie konnte nur diese wenigen Dinge beeinflussen und legte daher umso mehr Wert darauf. Die Welt war ein einziges, unbeherrschbares Chaos, doch ihr eigenes Refugium konnte sie beherrschen und ordnen.

Sie träumte den Traum vom perfekten Leben mit dem perfekten Mann und dem perfekten Haus, doch wenn sie „erwachte“ wusste sie, dass es alles nur eine Illusion war und das ihr Perfektionismus und ihre Erwartungen gegenüber sich selbst und gegenüber anderen Leuten und Dingen sie nur behinderten und ihr den Weg zu einem netten Leben voller Spaß versperrten, indem auch das Chaos seinen Platz haben musste, denn das Leben war nun mal chaotisch mit seltenen Augenblicken der Ruhe.

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BeitragVerfasst: 27.10.2006 - 16:05 
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Das Alter und die Einstellung

Von fern betrachtet sah er aus wie ein alternder Mann, der stets vor sich hingrummelte. Jede Kleinigkeit schien ihn aufzuregen und sie musste mit aller Kraft einen scharfen Kommentar darüber herunterschlucken.

War ihm eigentlich bewusst, wie er klang und wirkte? Sie schüttelte traurig den Kopf und fragte sich, ob es schon früher so schlimm gewesen war oder es ihr erst jetzt so deutlich auffiel. Auch seine Frau war nicht anders. Sie regte sich über alles mögliche auf.

Zwei meckelnde alte Leute und sie war dazwischen. Mehr als je zuvor spürte sie den deutlichen Altersunterschied zwischen den beiden und ihr selbst. Doch das war nicht das einzige Problem: Sie waren nicht nur älter, sie hatten auch eine ganz andere Einstellung dem Leben gegenüber.

Manchmal kamen ja selbst weit auseinander liegende Generationen miteinander aus, doch oft gab es eine Kluft. Sie wusste nicht, ob sie sich einfach zu diesem Punkt noch keine Gedanken gemacht hatte, oder es nicht hatte sehen wollen oder nicht hatte sehen können, da es sie erst jetzt beschäftigte.

Warum war es dazu gekommen, dass die beiden wie so viele andere ältere Menschen so eine Bitterkeit und solchen Ärger über so vieles hegten? Die einfachste Antwort war, dass sie von ihrem Leben und allem was damit zu tun hatte enttäuscht waren.

Außerdem schien es ihnen schwer zu fallen, sich an die guten Dinge ihres Lebens zu erinnern und aus diesen Erinnerungen die Kraft und Motivation zu schöpfen, alles etwas anders als bisher anzugehen.
Wahrscheinlich sahen sie aber nicht wie sie wirkten und ihr fiel es äußerst schwer ihnen den "Spiegel" vor das Gesicht ihrer Seele zu halten und ihnen klarzumachen, dass es nicht so weiter gehen konnte.

Für sie war es ein furchtbarer Zustand dazusitzen und immer mehr von dieser Einstellung in sich aufzunehmen. Was war das denn für eine Motivation für eine junge Frau, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte?! Diese Passivität, dieser Pessimismus, dieses rummeckern, diese "Ich werde das nicht annehmen!"- Haltung!

Sie fragte sich, wie viel sie schon von dieser unzufriedenen Haltung aufgenommen hatte und erkannte, dass es eine Menge war.
Doch ein resignierter Blick auf die Zukunft und eine beweglose, kaum tätige Haltung würden sie nur bremsen! Zum Glück hatte sie sich etwas Restoptimismus bewahrt, den sie jetzt ausbauen musste.
Sollten die Alten doch reden; sie würde sich nicht davon abhalten lassen mit offenem Herzen und vollstem Vertrauen ihren Weg zu gehen!

Jetzt konnte nur noch die Situation im Land ihr einen Strich durch die Rechnung machen...

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BeitragVerfasst: 27.10.2006 - 16:17 
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Wunder

Das geschäftige Treiben auf der Straße, der ständige Kontakt mit technischen Dingen... manchmal blieb sie sinnend stehen und dachte:
"Was für ein Wunder es doch ist, dass es all dies gibt!"

Die meisten Leute dachten heute gar nicht mehr daran, wie schwierig es einst gewesen war so etwas Einfaches wie eine Glühlampe zu entwickeln und auch über das Wunder des Lebens an sich - von Mensch und Tier in solch einer Vielfalt - dachte wahrscheinlich keiner mehr nach!

Sie jedoch wunderte sich immer wieder, auch über die scheinbar einfachsten Dinge.
Und manchmal fragte sie sich, ob die Entstehung der Erde, des Lebens und des Menschens tatsächlich nichts weiter als Zufall und gute Bedingung war. Denn wenn man genauer darüber nachdachte, wirkte alles äußerst wundersam.

In solchen Momenten war sie etwas versucht, sich von ihrem Realismus abzuwenden und sich dem Glauben an eine Erschaffung durch Gott zuzuwenden. Und dann war da manchmal das seltsame Gefühl, dass alles irgendwie unwirklich war.

Sie wusste nicht wie das kam, konnte höchstens vermuten, dass die Wunder so sehr auf sie wirkten, das ihr alles nicht mehr wirklich vorkam. Was es auch war, sie war froh darüber, dass sie sich diese etwas kindlichen Einstellungen bewahrt hatte.

Kinder wunderten sich über alles und fragten immer danach.
Auch wenn es sich um Dinge handelte, die sie ständig sah, sie konnten von einem anderen Blickwinkel aus, in einem anderen Licht oder unter anderen Bedingungen ganz anders aussehen und sie staunen lassen.

Durch die allgemeine Einstellung in der Welt sah es jedoch auch oft nicht so gut aus und man musste sich fragen, was die Leute dazu bringen könnte, alles mehr zu schätzen, sich zu wundern und durch diese neue Einstellung möglicherweise einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten!

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